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Was passiert im Knochen eines Tumorpatienten?

Was passiert im Knochen eines Tumorpatienten?
Die entarteten Zellen eines Tumors können sich aus ihrem Zellverband lösen, sich über die Blut- oder Lymphgefäße im Körper verstreuen und in andere Gewebe einwandern. Dort setzen sie sich fest, wachsen und bilden so Tochtergeschwulste, die Metastasen. Die Knochen, besonders die gut durchbluteten Knochenmarksräume, bieten ideale Wachstumsbedingungen für die Krebszellen. Knochenmetastasen können zu erheblichen Komplikationen führen.

Tumorzellen manipulieren gesunde Knochenzellen

Metastatische Tumorzellen selbst können den Knochen nicht angreifen, sie setzen aber zahlreiche Stoffe frei, die den körpereigenen Botenstoffen ähnlich sind und manipulieren auf diese Weise die gesunden Knochenzellen. So führt die Ausschüttung eines Parathormon-ähnlichen Stoffes durch die Tumorzellen zu einer Aktivierung der knochenabbauenden Zellen, der Osteoklasten. Durch den Knochenabbau werden Eiweißstoffe freigesetzt, die das Wachstum von Zellen fördern, sogenannte Wachstumsfaktoren. Diese werden von den Tumorzellen aufgenommen und verstärken noch deren ohnehin überschießende Wachstumsimpulse. Es entsteht ein Teufelskreis von Metastasenwachstum und übermäßig gesteigertem Knochenabbau.

Es gibt zwei Arten von Knochenmetastasen

Die Tumorzellen, die sich im Knochen festsetzen, produzieren Botenstoffe, die die gesunden Zellen im Knochengewebe beeinflussen. Dabei können sie den Knochenstoffwechsel in zwei unterschiedliche Richtungen beeinflussen: vermehrter Knochenabbau oder überschießender Knochenaufbau mit abnormer Knochenstruktur. In beiden Fällen führt der Knochenumbau zu einer Schwächung des Knochengewebes: Sowohl der Schwund des Knochens als auch der Aufbau eines instabilen Knochengerüstes ist den mechanischen Belastungen nicht mehr so gut gewachsen, ein Knochenbruch droht.
Zumeist hängt es von der Krebsart ab, ob eine Knochenmetastase vor allem durch einen Abbau von Knochengewebe gekennzeichnet ist (osteolytische Metastase) oder einen überschießenden Knochenaufbau (osteoblastische oder osteosklerotische Metastase) aufweist. Die Skelettmetastasen beim Prostatakarzinom sind überwiegend osteosklerotisch, beim multiplen Myelom, einer Form des Blutkrebses, findet man häufig osteolytische Metastasen. Die Knochenmetastasen beim Mammakarzinom haben in der Regel ein gemischtes Erscheinungsbild.

Tumore beeinflussen den Kalziumhaushalt

Viele bösartige Tumore wirken auch ohne Knochenmetastasen schädlich auf die Knochen. Sie produzieren einen Parathormon-ähnlichen Stoff, der wie das Original den Knochenabbau aktiviert, Kalzium freisetzt und die Kalziumausscheidung in den Nieren vermindert.
Die Folge ist ein Anstieg der Kalziumkonzentration im Blut. Der Fachausdruck hierfür lautet "tumorinduzierte Hyperkalzämie", kurz TIH.
Die Krankheitszeichen sind abhängig vom Kalziumgehalt des Blutes und reichen von Müdigkeit und vermehrtem Harndrang über Übelkeit und Herzrhythmusstörungen, im Extremfall bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen, wie Koma oder Herzstillstand.
 

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